14. Treffen des AK Stadtzukünfte in Eisenhüttenstadt

Am 26. April nahmen 20 Mitglieder des Arbeitskreises Stadtzukünfte die lange Reise nach Eisenhüttenstadt auf sich, um sich an der deutsch-polnischen Grenze über aktuelle Fragen der Schrumpfung von Städten und Stadtregionen in Ostdeutschland zu informieren und dieses Phänomen zu diskutieren. Eindrucksvoll wurden von der Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung, Stadtumbau und Wirtschaftsförderung der Stadt Eisenhüttenstadt, Christiane Nowak, und AK Mitglied Frank Howest, die jüngere Entwicklung der vom Stahlwerk geprägten Stadt vorgestellt, die seit den 1950er Jahren in DDR-Zeiten auf dem Reißbrett zunächst als Musterstadt entstanden ist.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand das aktuelle Programm Stadtumbau Ost, durch das allein in Eisenhüttenstadt in den kommenden 10 Jahren voraussichtlich der Abriss von 3.500 Wohnungen innerhalb der insgesamt sieben Wohnkomplexe gefördert wird. Neben dem Abriss stand auch die Aufwertung der im Geschosswohnungsbau errichteten Quartiere im Vordergrund. Dazu wurde im Rahmen einer Stadtrundfahrt ein sanierter Innenhof im WK II besichtigt sowie ein unsanierter Innenhof im WK III. Vom einem Hochhaus in der Lindenallee, der Magistrale der Stadt, konnten sich die Mitglieder des AK einen räumlichen Eindruck über die ersten vier Wohnkomplexe verschaffen.

„Die Stadt ist einfach zu groß geworden“ – so die plakative Aussage von Frank Howest, der damit den dramatischen Bevölkerungsverlust der Stadt in Höhe von fast 15.000 Einwohnern seit der Wende beschreibt. Aussicht auf eine Trendumkehr besteht derzeit nicht, am Stadtmodell im Rathaus wurden die Schwerpunkte der vom Stadtumbau betroffenen Quartiere erläutert. Insbesondere im WK VII, dem jüngsten Quartier, wird ein ausgeprägter Abriss angestrebt. Die statistischen Prognosen deuten darauf hin, dass Eisenhüttenstadt im Jahr 2015 nur noch ca. 32.000 Einwohner zählen wird. Diese Entwicklung hat dramatische Folgen – so insbesondere den Leerstand von heute bereits rund 3.900 Wohnungen sowie die Reduzierung von sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen.

Besonders beschäftigt haben den Arbeitskreis die sozialen Implikationen dieses Stadtumbaus. Wenig ist über die Befindlichkeiten der Bewohner, wenig über die Möglichkeit der Selbsthilfe in den entsprechenden Quartieren bekannt. Wünschenswert wäre es, Transparenz in die Planungen der Wohnungsunternehmen, der Stadtverwaltung oder auch der Träger der technischen Infrastruktur zu bringen. Analog zu den etablierten Sanierungsverfahren könnte hier ein Planungsverfahren angeboten werden, durch das Betroffene frühzeitig informiert werden und durch das ein Umzugsmanagement organisiert wird. Nur angedeutet wurde in den Diskussionen des Arbeitskreises die Frage der Mindeststandards, die sich in schrumpfenden Städten und Regionen stellt. Die Debatte wird in einer kleinen Arbeitsgruppe Ende Mai 2003 fortgesetzt. Von besonderem Interesse sind dabei Lösungsansätze, wie ein Stadtumbau in den nächsten Jahren gelingen kann.